Film
 

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Auf dieser Homepage zeige ich überwiegend das Touristische - und so kommt hier auch nur einer der insgesamt vier Filme zum Einsatz, die ich aus dem Material dieses einen Besuchstages erstellte. Es gibt des weiteren einen Film, den ich zu "Kunstbetrachtungen" gebe, es gibt ein 23-Minuten-Werk und sozusagen mein Haupt-Produkt, das Drehpunkt der Ausstellung "Stimmen im Stahl" ist, und es gibt einen Film mit privaten Aufnahmen. Hier nun also "Die gefilmte Fototour":

 

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Den folgenden Text habe ich für "Die gefilmte Fototour" wörtlich so in die Kamera vorgelesen:

Das ehemalige Völklinger Stahlwerk sehe ich als Zentrum des Angebotes in diesem Vorort von Saarbrücken. Da wird aus der regionalen Kohle (zu 70 %) und Kohle aus anderen Regionen Deutschlands (zu 30 %, weil die Saarkohle einen zu hohen Gasanteil hat) mit herbeigefahrenem Eisenerz Stahl erzeugt. Also der Standort da, wo Kohle ist, ist auch der Ort der Eisenverhüttung. Völklingen liegt an der Saar, so dass Fracht per Schiff eintreffen kann, und an einer Eisenbahnlinie. Der Bahnhofsbereich ist umfangreich. Einige Stahlwerke sind offenkundig noch in Betrieb. Der Ort selbst bietet fast nichts.
Das ehemalige Völklinger Stahlwerk ist ein Ort mit umfangreichen Vermarktungsversuchen. Im Rahmen solcher Versuche hat man es zum "Weltkulturerbe" geschafft und vergleicht sich mit der Cheopspyramide. Verschiedene Zielgruppen von Rentnern, die Triviales sehen wollen, über Schulen, die mit Lehrplanthemen kommen, bis hin zu Touristen, die Technik oder Kunst sehen wollen, versucht man nebeneinander anzusprechen.
Als wir das Stahlwerk einen Tag lang zu erkunden versuchten, gab es im Bereich des Trivialen eine Ausstellung über die Inkas. Die haben wir nur zum Schluss zu durchwandern versucht, allerdings so rasch und unter Verirren, dass unser Vorurteil erhalten blieb: Da kann nichts sein und da ist auch nicht.
Wir konnten das Stahlwerk und seine Angebote auch keinen Tag lang erkunden, weil es kein Essen und Trinken auf dem Gelände gab - die mickrigen Automaten waren am Sonntag ab Anfang leer - und man bei Verlassen des Geländes nicht wieder eingelassen wurde. Dieses miese Kartenmanagament halte ich für das größte Handicap einer Ausstellung, die behauptet, von 10 bis 18 h offen zu haben. Nur wer sich ein Getränk und ein Vesperbrot einpackt, kann die angebotenen 8 Stunden nutzen.
Das zweite Handicap huschte an uns vorüber, weil es ein extrem warmer Herbsttag war: Diese Hallen sind nicht beheizbar. Das ganze ist so erheblich eine Freiland-Ausstellung, dass man bei Regen nicht hingehen sollte, und dass man der Außentemperatur gemäße Kleidung tragen muss - warme Jacken im Herbst. Auf diese Kriterien wird gar nicht hingewiesen. Die Ausstellung wird nur über Winter nicht betrieben - das ist der einzige indirekte Hinweis. Darauf muss deutlich hingeweisen werden:
"Wir ins überwiegend eine Außenausstellung. Tragen sie dem Wetter gemäße Kleidung" und
"Rechnen Sie damit, dass es nichts zu essen und zu trinken gibt auf dem Gelände und sie nicht ohne Kartenverlust herauskommen."
DAs Stahlwerk ist ansonsten ein Abenteuer, ist toll begehbar und außerhalb der Ausstellungshalle erfreulich wenig aufgehübscht. Das Staubige, Rußige und vor allem Rostende ist erhalten und hat so seinen Charme. Die Idee, verfallende AußenBereiche in "Das Paradies" umzutiteln und begehbar zu machen, ist gelungen.
Die Ausstellung "Urban Art" bot und überbot, was man da erwarten kann. Die ins sogenannte "Paradies" eingebrachten Graffiti direkt auf die Wände waren überzeugend. Die galeriemäßig aufgehängten Werke der Urban-Art-Künstler mal in weiten Fabrikräumen, mal hinein in verfallene Arbeitskammern, zeigten den Stand der Kunst anders und zutreffender als die von uns auch besuchte Documenta Kassel. Die Verbalisation, was in Völklingen zu sehen sei, war so lachhaft, dass sie oft nur wegen ihrer Exotik von uns gelesen und auch in die Kamera verlesen wurde. Während aber in Kassel die Verbalisation blindlings am Gebotenen vorbeilog, während da der Kurator ihm passenden Interpreations-Schablonen häufte und nicht Kunst und nicht Glaubwürdigkeit erreichte, blieb in Völklingen die Verbalisation ein Randereignis, und die Kunst bot Substanz: Sie hatte nichts mit Abstraktionen am Hut, die darauf bestanden, nichts zu bedeuten. Indem sie - technisch oft souverän - alles zitierte, was je den Kulturberg erklettert hatte - ob Ethno, ob Klassik, ob Pop oder die hauseigenen Graffiti-SChriftzüge - geriet sie zu einem posthistorischen Kunstverständnis, wie es eigentlich seit den Achtzigern fällig ist. Und sie war kritisch, zynisch, subjektiv, schön mit Hässlichkeiten und darin glaubwürdig, kunsthaft und echt.